Weltliteratur und Welttheater:
Ästhetischer Humanismus in der kulturellen Globalisierung  

Transcript Verlag, 2012

Ein Grund dafür, warum der Humanismus in unserer Zeit so wichtig bleibt, liegt laut Jörn Rüsen in seiner Fähigkeit, das menschliche Leben nachvollziehbar zu machen, indem man nach den subjektiven Gründen für menschliches Handeln anstatt den objektiven Ursachen fragt. Tatsächlich betont der Humanismus die Subjektivität der menschlichen Erfahrung. Werden Klassiker heute noch studiert, weil sie universelle Werte vermitteln und den heutigen Lesern etwas mitzuteilen haben? Oder nur, weil sie uns erlauben, einen Blick auf die Vergangenheit zu werfen? Worin besteht die Beziehung zwischen “jetzt” und “damals”? David Lowenthal spricht von Vergangenheit als einem fremden Land und damit einem Konzept, das die Beziehungen zwischen dem Text und der Historizität des Lesers umfasst. Neuere Diskussionen um die Bedeutungsproduktion betonen oft die Politisierung von Kunstwerken, ihre historische Authentizität sowie ihre ideologische Autorität. Diese Debatten beeinflussen natürlich auch die geisteswissenschaftliche Ausbildung, bei der sich die Gegenwart in der Vergangenheit spiegelt und umgekehrt.

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